Fülle will dich verwöhnen

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Ps. 23, 5

Wenn wir unseren Psalm beten, könnte sich das vielleicht so anhören: Du nimmst mit vollends die letzten paar Kunden, so dass ich mich bald in die Schlange derer einreihen kann, die an ihre Ladentüre schreiben – Totalausverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Du gönnst mir keine ruhige Minute Schlaf mehr, wenn ich an meine Zukunft denke. Die guten Zeiten sind vorbei, die fetten Jahre verpufft, die Kassen sind leer. Psalmgesänge im Jahr 2020. Der Psalmbeter, der obige Verse von sich gibt, lebt weit ab von jeglicher Realität, oder auf einem anderen Stern. Den Frommen wird sowieso immer wieder vorgeworfen, dass sie weltfremd sind.

Was hier von Gott gesagt wird, riecht nach Wellness und Urlaub. Verwöhnprogramm vom Feinsten. Genüssliches Frühstücksbuffet mit
Frischkäse, Gouda oder Mozzarella, auch Salami, Putenbrust, Mortadella und Schinken sind mit aufgetischt. Natürlich gibt es süßen Aufschnitt, exotische Früchte und Joghurt mit Müsli. Das ganze wird serviert, wenn wir fix und fertig sind und uns von Gott und der ganzen Welt verlassen fühlen. Gott tischt eine Schlemmerwelt auf, wo ich mir ausgelaugt und leer vorkomme. Er überschlägt sich vor Hingabe, wenn es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Gottes Vorratskammern sind brechend voll. Für Güte und Liebe gibt es keine Abgabe in haushaltsüblichen Mengen, da läuft das Lager in der ewigen Welt über.

Wenn Gott voll einschenkt, braucht es offene Gefäße. Es braucht Menschen, die sich beschenken und verwöhnen lassen. Wenn das Frühstücksbuffet gerichtet ist und wir nichts davon abbekommen, haben wir entweder verschlafen oder uns im verkehrten Raum angestellt. Wollen wir manchmal viel zu viel Selbermachen, anstatt einfach zu empfangen?

Wenn alles da ist, wo könnte ich mich noch mehr diesem Überfluss hingeben?

Gott segne dich.

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Ein Kommentar

  1. Ich würde dazu sagen, dass auch „geniessen“ gelernt sein will, so wie alles im Leben.
    Ich begegnete nicht vielen Menschen, die das konnten, doch alle hatten etwas gemeinsam – nämlich eine Krebserkrankungen in verhältnismässig jungen Jahren, die Gott für sie heilte.
    Doch alle hatten die Angst im Hinterkopf, dass es wieder geschehen könnte, und so LERNTEN sie nach einer Depressionsphase die Minuten in ihrem Leben zu schätzen, und das was ihnen angeboten wird zu geniessen. Sie lebten im Hier und im Jetzt, anstatt in ihren Wünschen und Forderungen für die Zukunft.
    Es hat also alles seinen Preis – auch bei Gott 🙁

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