Hallo, DU RICHTER IN EIGENER SACHE, DER SO LANGE DACHTE, ER MÜSSE DEN HIMMEL VERWALTEN.
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.
Offb 15,4
Ich habe fast ein Leben lang geglaubt, Gott sitze über mir wie ein strenger Prüfer. Gut. Böse. Bestanden. Durchgefallen. Ich bewegte mich vorsichtig durch die Tage, als sei diese Erde ein Schulhof, auf dem man sich benehmen muss, um irgendwann heimzukommen.
In mir lief ein ständiges Abgleichen. War das richtig. War ich genug. Habe ich sauber gelebt. Und mein Körper wusste längst, was mein Kopf verteidigte. Enge im Brustraum. Müdigkeit in den Knochen. Ein leises Zittern, sobald ich andere oder mich selbst musterte.
Dann traf mich etwas wie ein kalter Luftzug in einem stickigen Raum. Es gibt nichts zu prüfen. Niemand ist je aus der schöpferischen Achtung gefallen. Nicht ich. Nicht du. Nicht diese Welt. In diesem Moment sah ich, was ich getan hatte. Ich hatte Gott zum Richter gemacht, um meine eigenen Urteile zu rechtfertigen. Über mich. Über andere. Über das Leben. Mit einem Mini-Horizont voller Parkgedanken wollte ich den Kosmos vermessen. Welch ein Wahnsinn. Und plötzlich wurde klar, woher die Kälte kam. Nicht von Gott. Von mir. Vom Urteil, das ich sprach und für Wahrheit hielt.
Als ich begann, dieses Urteil zurückzugeben, nicht zu bekämpfen, nicht zu verschönern, sondern schlicht zu entziehen, veränderte sich alles. Der Raum stiller. Ich sah kein Unrecht mehr, das mich in Brand setzte. Keine Schuld, die korrigiert werden musste. Nur Leben, das sich zeigt.
Wenn kein Urteil mehr zwischen mir und dem Dasein steht, werde ich selbst zu Lob. Nicht zu einem frommen Akt, sondern zu einer klingenden Gegenwart. Gott braucht keine Anbetung. Das Leben atmet sie, wenn ich aufhöre, mich zum Maßstab zu machen.
Heute lerne ich, meine Urteile zu besänftigen. Nicht aus Moral, sondern aus Liebe. Und in dieser Entwaffnung spüre ich, was alle verbindet. Eine Weite, in der nichts mehr zurechtgerückt werden muss.
Wenn du das Urteil entziehst, wirst du selbst zum Lob des Lebens.
Welches Urteil über dich gibst du heute zurück?
Wähle. Wahrheit oder Illusion.
Tagesimpuls als Audio – auf Telegram oder Youtube
P.S. Vielleicht war dieser Impuls dein innerer Türöffner.
Wenn du magst, öffnen wir gemeinsam weitere:🎧 Im Podcast „Göttlich frei“ spreche ich mit Anja über das, was uns wirklich frei macht.
🕊️ Beim „Live-Talk“ am Dienstagabend kannst du dabei sein und deine Fragen mitbringen.
Alle offenen Türen findest du auf www.bruder-theophilos.com
6 Antworten
„Heute lerne ich, meine Urteile zu besänftigen“,
Das entspricht meinem : „Sich mit sich selbst versöhnen“
Welch ein Genuß im Gegensatz zu dem Leben unter „einem strengen Prüfer“
Wenn ich an die Zeit zurück denke, als ich ebenso dachte, gruselt es mich richtig ein wenig.
Wie frei „darf“, ich sein, dürfen wir sein, ohne Schuld, voller Liebe, voller Hingabe, im Jetzt… Und das immer wieder, immer wieder, immer wieder… „das Jetzt“ geht uns nicht aus, welcher Fülle dürfen wir uns bedienen…
Und wieder ist da das Gefühl von großer Dankbarkeit an Dich,liebster Theophilos, der Du Dich gibst, jeden von uns, an seinen eigenen größten Schatz zu erinnern, der jedem von uns inne wohnt…🤗
Liebe Ingrid,
deine Worte berühren genau den Nerv dieses Impulses.
„Sich mit sich selbst versöhnen“ ist vielleicht die leiseste und zugleich radikalste Bewegung überhaupt. Kein Kampf mehr, kein inneres Tribunal, kein Bestehen-Müssen. Nur Ankommen.
Ja, dieses Zurückschauen auf das Leben unter einem strengen Prüfer kann einen frösteln lassen. Nicht aus Schuld, sondern aus Staunen darüber, wie viel Enge wir für normal gehalten haben. Und dann diese Frage, die du so offen stellst: Wie frei darf ich sein?
Vielleicht ist die ehrlichste Antwort: so frei, wie das Jetzt es erlaubt. Und das Jetzt ist unerschöpflich.
Deine Beschreibung von Fülle, Hingabe, Wieder-und-wieder-Ankommen im Moment ist kein spirituelles Ideal, sondern gelebte Entlastung. Kein moralischer Höhenflug, sondern ein sanftes Abstellen des inneren Richters. Genau dort beginnt Freiheit zu schmecken.
Und wenn du von Dankbarkeit sprichst, dann nehme ich sie nicht als Lob, sondern als Spiegel. Denn das, was du benennst, war nie mein Geschenk an dich. Es war dein eigener Schatz, der sich erinnert hat. Ich habe nur kurz die Lampe gehalten.
Bleib bei dieser Versöhnung. Sie ist kein Zustand, den man halten muss, sondern eine Erlaubnis, die sich immer wieder erneuert.
Umkehr
Liebe Christa,
ja. Umkehr.
Nicht als moralische Kehrtwende, nicht als besser werden, nicht als neues Programm.
Sondern als stilles Innehalten mitten im Denken.
Ein Zurücktreten aus dem Urteil.
Ein Heimkommen aus der Anstrengung, recht zu haben.
Diese Umkehr geschieht nicht nach vorne, sondern nach innen.
Nicht weg von etwas, sondern weg vom Maßstab.
Und plötzlich steht nichts mehr zwischen dir und dem Leben.
Danke für dieses eine Wort.
Es trägt den ganzen Impuls in sich.
Lieber Theophilos
Diesen Satz : Urteile nicht damit du nicht nach dem Maßstab gerichtet wirst. Das war ein Leitsatz für mich.
Verstehe ich es richtig?
wenn ich verurteile , spiegelt das mich
In meinen „sein“ gibt es nichts was zum verurteilen wäre und auch nicht in meinen Gegenüber. Weil wir göttlichen Ursprung sind.
Ver- urteilen ist ein schwerbeladenes Wort und kommt nicht aus der Liebe und dem Ursprung.
Das Ego sieht überall etwas negatives ,macht sich gross und verurteilt sofort .
Ich beobachte es jeden Tag in mir. Gedanken über dies und das und der Stempel ist schon da.
Während ich überlege wie ich diesen Teufelskreis durchbrechen könnte, meldet sich blitzschnell mein Ego
Da musst du was sagen!
ich glaube zu hören was mein Gegenüber denkt- Gedankenlesen : „weisst du das nicht?
Sag was!
Das Ego hat eine Zeitlang geführt aber es steht nicht mehr alleine da als Zugpferd.
Ich erkenne zwei Wahrnehmungen die Welt im Aussen mit ihren Geschichten.
Und meine „Präsenz , Wahrheit , Licht und Liebe.
Während ich das schreibe, denke ich alles abgeklärt, wo stehe ich?
Liebe Evi,
ja. Du spürst das sehr klar.
Und zugleich bist du mitten in dem Raum, den dieser Impuls öffnet.
Wenn du verurteilst, dann entsteht der Maßstab nicht draußen. Er entsteht in dir. Nicht als Schuld, sondern als Spiegel. Das Urteil richtet sich nicht gegen den anderen, es formt die Welt, in der du dich bewegst. Und genau deshalb fühlt es sich eng an. Nicht weil etwas falsch ist, sondern weil Liebe sich zusammenzieht, sobald sie messen will.
In deinem Sein gibt es tatsächlich nichts zu verurteilen. Und auch im Gegenüber nicht. Das ist keine moralische Aussage, sondern eine existentielle. Urteil entsteht nicht aus Ursprung, sondern aus Angst vor Weite.
Du beschreibst das Ego sehr treffend. Es meldet sich schnell, laut, überzeugend. „Sag was.“ „Du weißt doch, was der andere denkt.“ Das ist kein Fehler. Das ist ein altes Schutzprogramm, das meint, es müsse das Leben regeln. Und ja, es war lange das Zugpferd. Aber du spürst schon etwas Entscheidendes: Es ist nicht mehr allein.
Was du als zwei Wahrnehmungen beschreibst, ist kein Spalt, sondern ein Übergang. Die Geschichten der Welt und die stille Präsenz existieren nebeneinander, aber sie haben nicht dieselbe Macht. Du musst den Teufelskreis nicht durchbrechen. Schon das Beobachten entzieht ihm die Krone. Das Ego verliert nicht durch Kampf, sondern durch Durchschautwerden.
Und deine letzte Frage „Wo stehe ich?“ ist vielleicht gar keine Standortbestimmung mehr. Vielleicht ist sie schon die Einladung, das Stehenlassen zu beenden. Du bist nicht auf einem Punkt. Du bist im Jetzt. Und das fragt nicht nach Bewertung.
Bleib genau dort, wo du gerade bist.
Nicht als Aufgabe.
Sondern als Erlaubnis.