Ihr lieben Freundinnen, Freunde und Mitgestalter einer großen Sache,
Es berührt mich zutiefst, wie selbstverständlich wir in einen Raum eintreten, den es gar nicht gibt. Sobald wir „gestern“ sagen, bewegen wir uns in etwas, das nicht mehr existiert. Die Vergangenheit ist kein lebendiger Ort. Sie ist kein atmender Raum. Sie ist eine Geschichte ohne Puls.

Und doch greifen wir immer wieder hinein. Wir wühlen in Erinnerungen, in Verletzungen, in alten Szenen, als könnten wir dort noch etwas verändern oder retten. Selbst schöne Erinnerungen tragen oft diesen Hauch von Festhalten in sich. „Das will ich bewahren“, sagen wir. „Das war eine besondere Zeit.“ Aber während wir das sagen, entfernen wir uns von dem einzigen Ort, an dem Leben tatsächlich geschieht: diesem Moment.
Vergangenheit hat nichts mit deiner gegenwärtigen Lebendigkeit zu tun. Sie kann deine Strahlkraft nicht berühren, außer du erlaubst es ihr. Wenn du sagst: „Weil mir das damals passiert ist, bin ich heute so“, dann bindest du deine heutige Lebenskraft an etwas, das längst vorbei ist. Du glaubst, deine Geschichte erklärt dich. Doch in Wahrheit beschneidest du dich. Du schnürst dir selbst die Luft ab und wunderst dich, warum dein Herz nicht frei schlägt.
Der Kampf gegen die Vergangenheit ist kein intellektuelles Problem. Er ist körperlich spürbar. Man merkt es in der Enge im Brustkorb, im Ziehen im Bauch, in der Schwere der Schultern. Jedes Mal, wenn wir uns über das definieren, was war, legen wir einen alten Mantel über unsere gegenwärtige Kraft. Und das Tragische ist: Wir halten diesen Mantel selbst fest.
Live-Talk mit Simon Bartholomé
Genau hier wollen wir im nächsten Live-Talk einsteigen. Gemeinsam mit Simon schauen wir auf diese Grundspannung: „Das hätte anders laufen müssen.“ Nicht um darüber zu diskutieren, sondern um zu fühlen, was geschieht, wenn wir diese innere Fortsetzung beenden. Vergangenheit existiert nur im Widerstand. In dem Moment, in dem wir aufhören, sie weiterzuführen, verliert sie ihre Macht.
Live-Talk Di. 24. Februar 18 Uhr
Hubert Schlaucher im Podcast
Auch im Podcast wurde dieses Thema auf eine berührende Weise sichtbar. Unser spontaner Gast sprach nicht von seiner Geschichte, sondern von der Leidenschaft des gegenwärtigen Moments. Nicht von Herkunft, sondern von innerer Führung. Nicht von Vergangenheit, sondern von dem, was jetzt ruft.

Und genau dort entsteht eine andere Qualität von Verbindung – lebendig, frisch, nicht belastet von alten Narrativen.
Wenn gesellschaftliche Umbrüche rufen
Am vergangenen Wochenende habe ich mich mit Katharina Kleiner getroffen. In dieser Begegnung wurde spürbar, dass hier etwas Neues entstehen will. Im Künstlerhaus, gemeinsam mit der Waldhüterin-NOA, zeigt sich die Vision eines Ankerortes für Menschen in Grenzerfahrungen.

Ein Raum für diejenigen, denen das Leben gerade um die Ohren fliegt. Und vielleicht ist genau das der Wendepunkt: Wenn alles wegbricht, wenn Sicherheiten fallen, wenn die gewohnte Identität nicht mehr trägt – dann bleibt nicht deine Vergangenheit. Dann bleibst du.
Alles was nicht Du bist, will wegbrechen
Und in diesem „Du“ liegt etwas Ungeheures. Nicht die Geschichte, nicht die Rolle, nicht das alte Selbstbild, sondern reine Präsenz. Roh. Unverstellt. Lebendig. Wenn der Kampf gegen die Vergangenheit endet, beginnt ein tiefes Aufatmen. Nicht als Idee, sondern als körperliche Erfahrung. Als würde ein enger Gürtel aufspringen. Als würde dein System merken: Ich muss nichts mehr verteidigen.

Wir haben uns zu lange über das Gewordene definiert. Über Erfahrungen, über Systeme, über Gewohnheiten. Doch das Leben ist keine Wiederholung. Es ist grenzenlos, unvorhersehbar, wild in seiner Entfaltungskraft. Vielleicht stehen wir gerade an einem Punkt, an dem all diese Identifikationen fallen dürfen. Nicht-mehr-wissen. Nicht-mehr-halten. Nicht-mehr-erklären.
Und genau dort beginnt Urvertrauen. Nicht als spirituelle Idee, sondern als direkte Erfahrung: Das Leben selbst ist der tragende Grund. Nicht das Gestern. Nicht die Geschichte. Sondern dieser Atemzug. Dieser Herzschlag. Dieser Moment.
Hier ist nichts nachzuholen.
Hier ist nichts zu reparieren.
Hier ist nur Leben.
Und es braucht deine Vergangenheit nicht, um durch dich groß zu werden.
Mit berührenden Grüßen aus einer Bauchlandung am Spülbecken
dein und euer Theophilos
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