NEWS 109 – Mit Gummistiefeln durchs Wohnzimmer

Ihr lieben Freundinnen, Freunde und Mitgestalter eines großartigen Lebens,

in den vergangenen Tagen durchzuckte es mich in meinem Wohnzimmer. Bei der normalen Hausarbeit stellte ich mir vor:

Gummistiefel an den Füßen, nasser Matsch an den Sohlen, der Perserteppich sah danach aus, als hätte er schon bessere Tage erlebt. In der einen Hand eine Kaffeetasse, in der anderen ein Stapel Unterhemden, die dringend zusammengelegt werden wollten. Und plötzlich musste ich lachen. Nicht dieses höfliche Lächeln, sondern dieses echte, warme Lachen, das aus dem Bauch kommt und einen für einen Moment ganz weich macht.

Und genau da hat es mich erwischt.

Mir ist aufgegangen, dass sich in den letzten Monaten etwas eingeschlichen hatte, das sich erst gut anfühlte, und dann still gefährlich wurde. Ich erlebte Hochachtung für meine Spiritualität. Viel Anerkennung. Tiefe Resonanz. Und gleichzeitig merkte ich: Ich war dabei, unnahbar zu werden. Ich stand auf einem inneren Sockel, den ich selbst mitgebaut hatte. Da oben wurde mir zugehört, aber wenige trauten sich, wirklich einzutreten. Und irgendwo schwang unausgesprochen mit: „Das ist schön, aber das werde ich nie erreichen.“

Da wusste ich: falsche Baustelle.

Wenn Spiritualität Distanz schafft, ist sie tot.
Wenn sie Ehrfurcht erzeugt, aber keine Nähe, ist sie hohl.
Wenn sie bewundert wird, aber nicht berührt, hat sie ihren Kern verloren.

Also habe ich dieses Rollenbild genommen – dieses Bild von mir als „der, der es schon kapiert hat,“ und habe es zerfetzt. Wirklich. In Gedanken in kleine Stücke gerissen und in die Tonne geworfen. Nicht aus Rebellion, sondern aus Liebe zum Leben. Denn Spiritualität ist nur dann lebendig, wenn sie sich beim Unterhemden-Zusammenlegen zeigt. Wenn sie beim ersten Schluck Kaffee am Morgen kurz durch den Körper zuckt wie ein Glücksblitz. Wenn sie auch dann da ist, wenn ich müde bin, genervt, ratlos oder einfach nur ganz normal.

Was mir gerade aufgeht: Jeder Moment unseres Lebens ist spirituell.

Nicht der besondere. Nicht der erhabene. Sondern der gewöhnliche. Und weil unser Alltag nun mal den Großteil unserer 24 Stunden ausmacht, findet genau hier das Eigentliche statt. Nicht über dem Leben – sondern mittendrin. Im Staub. Auf dem Teppich. Mit Gummistiefeln.

 

Und genau von hier aus führt auch der Weg zu

Wir feiern kein Jubiläum. Wir zünden keine Kerzen an und halten keine Rückschau mit feierlichem Ton. Live-Talk 100 wird eine Bauchlandung auf dem Teppich. Ein Tanz auf einem schäbigen Perserteppich im Wohnzimmer. Ohne Bühne. Ohne Erhabenheit. Dafür mit echtem Kontakt. Das wird der Moment, an dem auch unsere Live-Talk-Abende ein neues Gesicht bekommen. Weniger Erklärung. Mehr Leben. Weniger „oben“. Mehr „hier“.

Zum Thema: „Hör auf, dich selbst rauszuwerfen.

ZOOM-Link


 

Passend dazu ist auch die neue Podcastfolge entstanden:

Diese Folge ist eine Einladung, nicht sofort zu reparieren, wenn es wackelt. Nicht alles glattzuziehen, wenn der Boden unsicher wird. Sondern dazubleiben. Barfuß. Ehrlich. Wenn uns das Leben gerade den Teppich unter den Füßen wegzieht, dann nicht, um uns fallen zu lassen – sondern um ihn neu auszurichten.

Und manchmal heißt das einfach: Der Teppich bleibt erstmal so.

In den nächsten Tagen auf YOUTube


 

Besonders berührt hat mich in dieser Woche auch der

Elf Menschen, die sich am Mittwoch in einem Raum versammelt haben – viele von ihnen an einer Schwelle. Menschen, die gesagt haben: „Ich weiß gerade nicht mehr, was passiert.“ Das Leben schlägt ihnen alles aus der Hand. Sicherheiten lösen sich auf. Das Alte trägt nicht mehr. Und genau da stehen sie – vor der Entscheidung, entweder zurück in das Gewohnte zu flüchten oder einen Schritt ins Nicht-Wissen zu wagen.

Dieser Schritt ist der, vor dem die meisten Menschen zurückschrecken. Nicht-Wissen. Nicht-Verstehen. Nicht-Erklären-Können. Und doch ist es genau dieser Raum, in dem sich das Leben auf eine Weise zeigt, die wir uns niemals ausdenken könnten. Diese Vorstellungsrunde war still, roh, zutiefst menschlich. Ich bin dankbar und voller Vorfreude auf diese gemeinsame Reise durch die nächsten zwölf Wochen.

YOUvolution

 

Und vielleicht ist das der leise rote Faden all dessen:

Es findet im Alltäglichen statt. In diesem Moment. Jetzt. Wenn ich ihn nicht mit alten Erfahrungen vergleiche. Wenn ich den Menschen vor mir nicht auf seine Geschichte reduziere. Wenn ich die Situation nicht sofort bewerte oder absichere.

Dann wird dieser Moment plötzlich frei. Und er begegnet mir nicht prüfend, nicht fordernd – sondern zärtlich. Als würde er sagen: Komm. Tanz. Ich bin da.

 

Mit Gummistiefeln.
Auf dem Teppich.
Mitten im Staub.

 

… und einem Herzen voll dankbarer Glücksgefühle
euer Theophilos


 

PS: Wenn du die tägliche Mutmach-Revolution hören willst:

Ich spreche sie jeden Morgen als Audio ein.
👉 Auf meinem Telegram – Kanal findest du sie täglich.
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Webseite: Bruder Theophilos
Dein stilles Gespräch

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Bruder Theophilos – R.M. Jud
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4 Kommentare

  1. Ich liebe diese Echtheit, das Lebendigbleiben und dass du dich immer wieder in deinem Lebensausdruck hinterfragst ohne deine Existenz in Frage zu stellen.
    ❤️ zu dir, lieber Theophilos!
    Barbara

    1. Liebe Barbara,

      danke dir von Herzen für diese Worte.
      Sie treffen genau den Punkt, an dem ich gerade stehe.

      Ja – ich hinterfrage meinen Ausdruck, meine Formen, meine Bilder.
      Aber nicht mehr mich selbst.
      Nicht meine Existenz.
      Nicht mein Sein.

      Und genau das fühlt sich neu, frei und lebendig an.
      Kein Sich-verwerfen, sondern ein Sich-weiter-öffnen.
      Kein Infragestellen der Tiefe, sondern ein Hineinsteigen mitten ins Leben – mit Gummistiefeln, Staub und echtem Kontakt.

      Deine Rückmeldung zeigt mir:
      Das Ankommen im Alltag kommt an.
      Und das berührt mich sehr.

      ❤️ zurück zu dir
      von Herzen
      Theophilos

  2. -Das ist der Weg der Fühlen lässt
    -Der Weg der nicht auf jemanden runterschaut
    -Der Weg der sich wahr anfühlt
    -Der Weg der sich erinnert und die Seele dahinter spürt und erkennt.
    – der Weg der nach innen geht.
    Danke Theophilos das du mit uns gehst mit deinen Zuhören ,Verstehen und deinen Antworten darauf.
    Wir lieben dich – weil sich Liebe erkennt , aus dem einen „Christusbewusstsein „

    1. Liebe Evi,

      deine Worte sind wie ein leises Nicken von innen.
      Nicht laut. Nicht erklärend. Sondern erkannt.

      Ja – es ist ein Weg, der fühlt.
      Und genau deshalb schaut er auf niemanden herab.
      Wer fühlt, bleibt auf Augenhöhe. Immer.

      Ich gehe diesen Weg nicht für euch und nicht vor euch.
      Ich gehe ihn mit euch. Hörend. Staunend. Lernend.
      Und oft selbst überrascht davon, was sich zeigt, wenn man nichts mehr festhalten muss.

      Dass du das so wahrnimmst, berührt mich sehr.
      Und ja – Liebe erkennt sich, weil sie aus derselben Quelle schaut.

      Danke, dass du da bist.
      In deiner Klarheit. In deinem Fühlen. In deinem Gehen.

      Von Herz zu Herz
      Theophilos

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