Hallo DU, DER DU MEINST, DU HÄTTEST NIEMANDEN VERLETZT UND DABEI HAST DU DICH SELBST ÜBERGANGEN.
Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Matth 25,45
Es ist ein ganz gewöhnlicher Vormittag. Du stehst in einer kleinen Bäckerei. Warme Luft, Kaffeeduft, das leise Klappern von Blechen. Vor dir eine ältere Frau. Sie trägt eine zu große Jacke, ihre Hände zittern leicht, während sie sich durch die Auslage tastet. Sie liest die Schilder, fragt nach, überlegt wieder von vorn. Es dauert.
Du sagst nichts. Du bleibst höflich. Du bleibst korrekt. Von außen ist alles in Ordnung. Doch innerlich geschieht etwas kaum Wahrnehmbares. Ein leiser Widerstand. Ein ungeduldiges Zusammenziehen. Kein Ärger, eher ein stilles jetzt bitte schneller. Du merkst es kaum – aber dein Körper merkt es.
Als du an der Reihe bist, läuft alles normal. Du bestellst, bezahlst, sagst Danke. Zwei Schritte vor der Tür bleibst du stehen. Nicht bewusst. Dein Körper hält kurz inne, als hätte er etwas verloren. Da ist ein feines Ziehen im Brustraum, eine kaum greifbare Enge. Nichts Dramatisches, aber auch nichts Neutrales.
Der Tag geht weiter, doch etwas hat sich verschoben. Du bist ein wenig weniger weich. Reagierst schneller gereizt. Kleinigkeiten stören dich mehr als sonst. Du suchst innerlich nach Gründen, findest aber keinen. Und dann – ganz unspektakulär – wird es klar. Nicht als Gedanke, sondern als Gefühl.
Du hast niemanden verletzt. Du hast nichts falsch gemacht. Aber du hast dich für einen Moment innerlich zurückgezogen. Und genau dieser Rückzug hat eine Spur hinterlassen – nicht bei der Frau, sondern in dir. Deine eigene Weite war für einen Augenblick nicht da. Deine eigene Offenheit hat gefehlt.
In diesem Moment verliert der Satz jede Moral und wird erschreckend nüchtern:
„Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.“
Der Geringste war nicht die Frau vor dir. Der Geringste war der Teil in dir, der weich geblieben wäre, wenn du ihn nicht zurückgehalten hättest. Und Christus war nicht draußen im Geschehen, sondern genau in dem Raum, der sich in dir kurz verschlossen hat.
Jeder innere Rückzug nimmt dir sofort Weite und verletzt dich selbst.
Wo habe ich mich selbst gerade nicht gelebt?
Wähle. Wahrheit oder Illusion.
Tagesimpuls als Audio – auf Telegram oder Youtube
P.S. Vielleicht war dieser Impuls dein innerer Türöffner.
Wenn du magst, öffnen wir gemeinsam weitere:🎧 Im Podcast „Göttlich frei“ spreche ich mit Anja über das, was uns wirklich frei macht.
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Offene Türen findest du auf www.bruder-theophilos.com
2 Antworten
Guten morgen liebster Theophilos
Eine Geschichte die immer wieder mal passiert.
Wir funktionieren wie in einen Programm, so haben wir es gelernt in unserer Wertvorstellung, wenn der Kompass nach Aussen gerichtet ist.
Der Tag, die Stunden ,die Minuten sind aufgefüllt mit alten Mustern die wir im Laufe unseres Lebens angewöhnt haben.
Ein unbewusstes Verhalten , dass wir an den Tag legen, nicht weil wir böse sind, wir haben es so gelernt und übernommen.
Ich spüre beim Lesen dieses Textes ,wie wenig wir im Moment leben. Der Blick geht in die Ferne, statt im „Hier und Jetzt“
Das Wesentliche verliert sich dadurch.
Keine Zeit für Herzgefühle ,dabei wollen die doch gesehen und erkannt werden.
Ich denke mir was kann ich anderst machen ,damit ich mich im Aussen nicht vergesse und sich ein Bild zeigt ,dass mein wahres „sein“ im Gegenüber im Herzen spiegelt.
Es ist ein neues Ausrichten und Erkennen .
Nicht im Egodasein
Nicht als dieser Körper
Sondern ein Inneres, waches Hinschauen aus der Liebe die in uns schwingen möchte.
Alles geht nur mit Fühlen und gefühlt werden im Augenblick.
Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung
Liebe Evi,
deine Worte sind wie ein leiser Spiegel, der nicht belehrt, sondern erinnert. Du beschreibst dieses „Programm“, in dem wir laufen, so klar und ohne Anklage. Genau das macht es so wahr. Wir funktionieren nicht, weil wir hart oder lieblos wären, sondern weil wir gelernt haben, den Kompass nach außen zu richten. Das Außen gibt den Takt vor – Termine, Erwartungen, Rollen – und unmerklich entfernen wir uns vom eigenen Rhythmus.
Was mich in deinem Text besonders berührt, ist dieses Bild vom Blick in die Ferne. Es ist so alltäglich und so entlarvend. Wir schauen voraus, planen, reagieren, halten durch – und übersehen dabei den Moment, der uns gerade atmet. Das Wesentliche geht nicht verloren, weil es weg ist, sondern weil wir nicht da sind, um es zu empfangen. Die Herzgefühle, von denen du sprichst, drängen sich nicht auf. Sie warten. Still. Geduldig.
Deine Frage „Was kann ich anders machen?“ klingt nicht nach Optimierung, sondern nach Sehnsucht. Und die Antwort liegt schon in dem, was du schreibst: nicht mehr im Egodasein, nicht mehr als Funktion, nicht mehr nur als Körper im Tun. Sondern als waches, inneres Hinschauen – aus der Liebe heraus, die nicht gemacht werden muss, sondern schwingen will.
Vielleicht ist es genau das: kein neues Verhalten, kein weiteres Bemühen, sondern dieses Zurücklehnen ins Fühlen. Sich wieder berühren lassen vom Augenblick. Sich selbst nicht mehr überholen. Dann beginnt das wahre Sein, sich im Gegenüber zu spiegeln – ganz ohne Anstrengung.
Danke dir für diese feine, ehrliche Resonanz. Sie ist selbst schon ein Akt von Präsenz.