NEWS 120 – Der Kampf gegen Größe

Ihr lieben Freundinnen, Freunde und Weggefährten,

es beginnt oft ganz leise,

fast unbemerkt im Alltag, nicht als großes Drama, sondern als feines inneres Zurückweichen. Da ist ein Gedanke, der sich nicht ganz ausspricht, eine Wahrheit, die du spürst, aber für dich behältst, ein Impuls, der dich eigentlich aufrichten würde und den du doch wieder dämpfst. Nicht, weil du ihn nicht willst, sondern weil du gelernt hast, was passiert, wenn du zu viel bist – zu klar, zu echt, zu lebendig. Und so wirst du vorsichtig, passt dich an, rundest dich ab, dimmst dein Licht herunter, gerade so weit, dass es niemanden irritiert. Genau hier beginnt er, dieser Kampf gegen deine Größe, nicht laut und nicht spektakulär, sondern leise, angepasst und beinahe unsichtbar.

Ich kenne das aus meinem eigenen Leben sehr gut. Über viele Jahre habe ich mich in eine Form eingefügt, in ein System, in eine Ordnung, die vorgab, wie ich zu sein habe, und ich habe funktioniert. Bis zu dem Moment, in dem sich in mir etwas regte und die einfache, aber radikale Frage auftauchte: Ist das wahr? Diese Frage war kein lauter Aufbruch, sondern eher ein feiner Riss, der sich durch alles zog. Und plötzlich begann sich etwas zu bewegen, nicht nur in mir, sondern auch im Außen, denn sobald du beginnst, dich wirklich zu zeigen, entsteht Irritation. Es wird unbequem, für dich und für die anderen, und genau deshalb haben wir gelernt, diesen Moment zu vermeiden. Wir wollen dazugehören, wir wollen nicht anecken, wir wollen nicht als zu viel wahrgenommen werden, und so halten wir uns zurück, ohne zu merken, dass wir dabei nicht die anderen schützen, sondern uns selbst begrenzen.

In Wahrheit drehen wir den Strom des Lebens in uns herunter, obwohl er längst fließen will. Es geht dabei nicht darum, deine Größe zu finden oder dein Potenzial zu entdecken, denn all das ist schon da. Es geht vielmehr darum zu erkennen, wo du dich noch zurückhältst, wo du dich kleiner machst, wo du aus Angst vor deiner eigenen Wirkung den Hahn zudrehst. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, damit aufzuhören, nicht als neue Anstrengung oder als weiteres Ziel, sondern als leises inneres Nachgeben, als ein Aufhören, dich selbst zu kontrollieren und zurückzunehmen.

Genau diesem Punkt widmen wir uns im morgigen Live-Talk. Es geht nicht darum, dich zu pushen oder dich größer zu machen, sondern darum sichtbar werden zu lassen, wo du dich selbst stoppst, damit sich etwas ganz Einfaches ereignen kann: dass du es erkennst und es sich von selbst löst.

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In dieser Woche erwartet dich zudem ein Podcast, der tief berührt. Claudia, eine evangelische Pfarrerin, erzählt ihre Geschichte, eine Geschichte, die lange im Verborgenen lag. Sie spricht darüber, dass sie über viele Jahre hinweg Missbrauch erlebt hat, und öffnet damit einen Raum, in dem sichtbar wird, was so oft verschwiegen wird. Sie tut das nicht, um anzuklagen, sondern um ehrlich zu zeigen, was war, und wie ein Mensch heute damit lebt. Es ist eine Begegnung, die bewegt und die gleichzeitig spüren lässt, dass Leben selbst dort weitergeht, wo wir es kaum für möglich halten.

Podcast-Link


 

Und während ich das alles schreibe, bewegt mich noch etwas ganz Persönliches. Ich beobachte mich selbst und sehe, wie subtil dieser Kampf gegen die eigene Größe auch in mir noch wirkt, wie schnell der Gedanke auftaucht, noch mehr tun zu müssen, noch klarer zu sein, noch sichtbarer zu werden. Gleichzeitig spüre ich eine andere Bewegung, die leiser ist und tiefer trägt. Es ist die Erfahrung, dass es nicht mein Tun ist, nicht meine Anstrengung und nicht mein Engagement, das etwas bewirkt, sondern dass das Leben selbst wirkt, dass es durch mich fließt, dass es genau die Menschen erreicht, die bereit sind. In diesem Moment entsteht eine Stille, ein Loslassen und ein inneres Einverständnis, dass ich nicht derjenige bin, der etwas in die Welt bringen muss, sondern dass das Leben sich durch mich ausdrückt.

Vielleicht liegt genau darin die größte Form von Größe, dass wir aufhören zu kämpfen und beginnen, geschehen zu lassen.

 

Ich freue mich auf dich.

Von Herz zu Herz
Theophilos


 

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2 Kommentare

  1. Ich erkenne hier zwei unterschiedliche Größen und doch spricht man von Größe.

    Die Größe an die sich das Ego misst ,misst sich sehr oft an materiellen ,finanziellen Dinge .Je mehr davon um so“ größer „wird das Ego.
    Es misst sich auch nach Äußerlichkeiten, Schönheit oder nach Sportlichkeit.
    Aber auch nach Intelligenz.
    Die Grösse des Egos schwingt in einer niedrigen Frequenz. Sie schaut von oben nach unten, lässt andere klein wirken und spielt mit der Eifersucht und Stolz.

    Ich kann verstehen das der Mensch im ersten Moment mit dem Wort „Grösse“ in Widerstand rückt. Da sind diese Glaubenssätze, die uns klein hielten. Z.B. Wer zu hoch hinaus will ist in Gefahr, nicht auf den hohen Ross sitzen, komm mal runter usw.

    Aber diese wahre „Grösse“ kommt aus der Wahrheit, aus dem wahren „sein“ der vollkommenen Liebe und Licht.
    Diese „Grösse“ lässt dein Herz klopfen, lässt den Atem fließen. Sie ist eins mit dir und mit mir und ist das ewige Leben aus der Einheit der vollkommenen Liebe.

    1. Evi, in dem, was du schreibst, liegt eine sehr feine Klarheit, die man nicht denken kann – man spürt sie.

      Du beschreibst zwei völlig unterschiedliche Bewegungen, die beide „Größe“ genannt werden, und genau darin liegt oft die Verwirrung. Die eine Größe ist laut, vergleichend, abhängig von dem, was man hat, zeigt oder darstellt. Sie braucht den Blick nach unten, um sich selbst oben zu fühlen, und bleibt damit immer gebunden an das Außen. Es ist verständlich, dass genau diese Form von Größe in vielen Menschen Widerstand auslöst, weil sie etwas Anstrengendes, etwas Trennendes in sich trägt.

      Und dann gibt es diese andere Größe, von der du sprichst. Sie ist nicht gemacht, nicht aufgebaut, nicht erreicht. Sie entsteht nicht durch „mehr“, sondern zeigt sich, wenn das Kämpfen aufhört. Sie ist still und gleichzeitig unübersehbar. Nicht, weil sie sich in den Vordergrund drängt, sondern weil sie einfach da ist.

      Du beschreibst es so schön: dass der Atem fließt, dass das Herz sich weitet, dass etwas in Einklang kommt. Genau das ist der Punkt, an dem Größe nichts mehr mit Überhöhung zu tun hat, sondern mit Wahrheit. Da gibt es kein Oben und kein Unten mehr, kein Besser und kein Schlechter, sondern nur noch dieses schlichte, lebendige Sein, das sich durch uns ausdrückt.

      Und vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied: Die Größe des Egos braucht Energie, um sich aufrechtzuerhalten. Die wahre Größe entsteht von selbst, sobald wir aufhören, uns zurückzuhalten oder jemand anderes sein zu wollen.

      Dass du auch den Widerstand ansprichst, den viele Menschen beim Wort „Größe“ empfinden, ist so wichtig. Denn dieser Widerstand kommt oft nicht aus der Wahrheit, sondern aus den alten Sätzen, die wir so lange gehört haben, bis wir sie selbst geglaubt haben. „Sei nicht zu viel“, „bleib bescheiden“, „fall nicht auf“. Und so wird etwas unterdrückt, das eigentlich ganz natürlich da ist.

      Deine Worte erinnern genau daran, dass diese wahre Größe nichts Bedrohliches ist. Sie trennt nicht, sie erhebt nicht über andere, sondern sie verbindet. Sie ist nicht gegen jemanden gerichtet, sondern Ausdruck von Einheit.

      Danke dir für diese tiefe und liebevolle Ergänzung. Sie öffnet einen Raum, in dem man Größe nicht mehr fürchten muss, sondern sich in ihr wiederfinden kann.

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