Hallo, DU DURCHSTRAHLTER, DER KRAMPFHAFT VERSUCHTE, DAS LEBEN ZU SPIELEN, OBWOHL ES LÄNGST DURCH IHN SPIELTE.
Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.
Gal 2,20
Du sitzt da, vielleicht mit dieser leisen Schwere im Brustkorb, die entsteht, wenn du wieder einmal geglaubt hast, du müsstest etwas aus seinem Leben machen.
Du kennst diesen alten Reflex: das Ego springt an wie ein nervöser Motor, der seit Jahrzehnten zu viel Benzin frisst. Es flüstert dir zu, du müsstest sinnvoll leben, Gott gefallen, deine Lebensaufgabe entdecken, irgendetwas Großes beitragen.
Es ist derselbe Film, der seit deiner Kindheit läuft: du glaubst, du müsstest das Leben stemmen wie einen viel zu schweren Rucksack. Also spannst du dich an, machst Pläne, sammelst Aufgaben, jagst Zielen hinterher – und merkst gleichzeitig, wie dein Körper eng wird, wie der Atem flach bleibt, wie etwas in dir ruft: Das kann doch nicht alles sein.
Du brauchst niemand sein
Ein für mich schockierender Satz war: „In meinem Leben geht es gar nicht um mich.“ Dieser Satz hat mein Ego nicht einfach getriggert. Er hat es entlarvt. Denn plötzlich war sichtbar, wie sehr es sich wichtig gemacht hat. Wie es gestalten, bewirken, kontrollieren wollte. Wie es ständig die Rolle des Machers spielen musste – aus Angst, bedeutungslos zu sein.
Und gleichzeitig wurde spürbar, was du überhört hattest: das Leben ist längst hier. Es geschieht ununterbrochen. Nicht als Aufgabe, sondern als Fluss, der dich durchströmt und andere berührt. Nicht als Projekt, sondern als Präsenz, die sich verschenkt, sobald du aufhörst, sie zu verbiegen.
Spüre, dass du das Leben nicht machst. Es vollzieht sich. Es fließt durch dich wie Strom durch eine Lampe. Du bist nicht der Akteur. Du bist das Gefäß. Du bist Christus, der sich zeigt, wenn du aufhörst, dir selbst im Weg zu stehen.
Damit weitet sich der ganze Innenraum. Die Schultern sinken. Die Stirn glättet sich. Der Atem wird weich, als hätte jemand im Brustkorb ein Fenster geöffnet.
Die Verkrampfung, jemand sein zu müssen, fällt ab wie alter Staub. Du gehst durch deinen Tag ohne den Druck, etwas leisten zu müssen, und spürst stattdessen eine stille Bereitschaft: Ich bin hier. Ich empfange. Ich werde berührt – und berühre damit die Welt.
Die einzige Aktivität ist die Hingabe an den Strom. Dann beginnt die Lampe zu leuchten. Und der Raum wird hell.
Leben wird nicht gemacht. Es geschieht – durch dich, wenn du nicht mehr dazwischenfunkst.
Was würdest du heute lassen, wenn du wüsstest, dass das Leben längst fließt?
Wähle. Wahrheit oder Illusion.
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P.S. Vielleicht war dieser Impuls dein innerer Türöffner.
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2 Kommentare
Lieber Theophilus,
noch nie in meinem ganzen 72jährigen Leben habe ich das soo perfekt formuliert gelesen. Ich Danke Dir.🙏❤️🪶Alles Liebe, Varchaa
Liebe Varchaa,
deine Worte berühren mich sehr.
Vielleicht, weil sie zeigen, dass Wahrheit kein Alter kennt –
sie erkennt sich einfach wieder, wenn der Moment reif ist.
Nichts davon ist „perfekt formuliert“.
Es ist nur das, was in uns allen längst klingt,
wenn wir aufhören, an den alten Geschichten festzuhalten.
Danke für dein Herz,
für deine Offenheit
und für diese Rückmeldung, die wie ein warmer Wind durch den Raum geht.
Alles Liebe dir – und dieser Weite, die dich trägt.