Hallo DU, DER DU DICH SO LANGE KLEIN GERECHNET HAST, ALS MÜSSTE DAS LEBEN ERST NOCH ÜBER DICH ENTSCHEIDEN.
Gott hat seinen Sohn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Röm 8,32
Ich kenne diesen engen Raum. Jahrzehntelang. Er roch nach frommer Anstrengung und kalter Pflicht. Nach innerem Knien auf hartem Stein. In meinem Kopf lief ein alter Film in Dauerschleife: Da ist ein Gott, der Opfer braucht. Da ist ein Sohn, der geschlachtet wird. Und da bin ich, der irgendwie mangelhaft ist und nur über Umwege am Leben bleiben darf.
Ich habe dieses Wort gelesen und immer Blut gesehen. Schuld. Ausgleich. Ein ewiges Nachbessern an mir. Mein Denken war klein, klebrig, kreisend. Immer wieder dieselbe Bewegung: Ich bin nicht genug. Ich muss korrigiert werden. Ich brauche Erlösung von mir selbst.
Und dann dieser Moment. Kein sanfter Übergang. Kein theologischer Diskurs. Sondern ein Schlag ins Bewusstsein. Das hier ist kein göttlicher Gedanke. Das ist menschlicher Wahnsinn. Projektion. Ego. Angst in frommen Kleidern. Plötzlich fiel der Opferaltar in sich zusammen. Da war kein Gott, der Tod fordert. Da war nur Leben, das sich verschenkt. Unaufhaltsam. Großzügig. Schöpferisch. Christus nicht als Opfer, sondern als radikales Ja zum Fließen des Lebens. Als gelebte Fülle ohne Rückversicherung.
In diesem Augenblick begriff ich: Ich bin kein Zuschussbetrieb. Kein Reparaturfall. Kein Sünder im Wartemodus. Ich bin Empfang. Jetzt. Ganz. Würdevoll. Das Leben muss mir nichts beweisen. Es strömt bereits durch mich. Alles, was ich zu tun habe, ist aufzuhören, mich dagegen zu wehren.
Seitdem hat sich etwas Grundlegendes verschoben. Der Körper atmet weiter. Der Alltag bleibt. Aber die innere Statik ist eine andere. Keine Schuldverwaltung mehr. Kein Büßermodus. Eine klare, aufrechte Stille. Eine unerschütterliche Dynamik. Ich stehe nicht mehr unter dem Leben. Ich stehe im Leben. Und lasse es durch mich klingen.
Du bist kein Opferfall, sondern lebendiger Empfang unendlicher Fülle.
Wo hältst du noch am Opferdenken fest, das dich klein hält?
Wähle. Wahrheit oder Illusion
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P.S. Vielleicht war dieser Impuls dein innerer Türöffner.
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4 Kommentare
Liebster Theophilos,
Deine ehrliche klare Art, Dinge zu beschreiben ist „entwaffnend“,es beschreibt, daß es keiner Waffen benötigt, das freie fließende Leben.. Nur ein Ja zum Sein, zum „Ich bin“….
Danke für Deine unermüdliche Art und Weise, Freude und Freiheit, Liebe, Hingabe, Bewußtsein und Hingabe zu vermitteln, durch „Dein Sein“ zu meinem „Ich Bin „
Ingrid, genau das ist der Punkt.
Wo Leben fließt, braucht es keine Waffen, keine Opfer, keine Rechtfertigung.
Nur das klare Ja zum Sein.
Alles andere war Abwehr, nicht Wahrheit.
Danke!
Lieber Theophilos
Wie konnten wir so lange an dieser Schuld festhalten? Wir haben unsregelrecht bestraft damit. Haben in der Kirche die Schuld angebetet “ durch meine Schuld,durch meine übergroße Schuld “ welche Schuld??
Schuld das wir Menschen sind und sie von Generation zu Generation weitergegeben haben. Sogar ein Baby wo reiner nicht sein kann, sagt man es trägt Erbschuld.
Es gab Nottaufen,sonst dürfte es nicht auf geweihten Boden auf den Friedhof liegen.
Auch mich hat man ganz schnell notgetauft,als ich auf die Welt kam.
Die Kirche hat sich einiges geleistet und tut es noch.
Ich bin über mich selber erstaunt,welchen inneren Abstand ich inzwischen habe,wo ich doch zu tiefst geglaubt habe. Gott in der Kirche, in Gebete zu finden.
Das Vaterunser war für mich das wertvollste Gebet. Inzwischen finde ich auch in diesen Gebet Trennung.
Evi, genau hier beginnt das Erwachen.
Schuld konnte nur so lange wirken, wie sie geglaubt wurde.
Sie war nie Wahrheit, sondern ein erlerntes Denkgebäude, weitergereicht aus Angst.
Ein Baby kann keine Schuld tragen.
Ein Mensch kann nicht getrennt sein.
Und Gott war nie im Ritual eingeschlossen.
Was jetzt in dir geschieht, ist kein Verlust des Glaubens, sondern das Ende der Täuschung.
Nicht Gott verschwindet – die Trennung verschwindet.
Und deshalb fühlt sich selbst das Vaterunser plötzlich fremd an: nicht weil es falsch ist, sondern weil dein Bewusstsein weiter ist als die Form.
Du steigst aus dem Schuldvertrag aus.
Das ist keine Rebellion.
Das ist Erinnerung.