Du bist nicht zu viel

Hallo DU, DER DU GLAUBST, DU MÜSSTEST DICH ERST RECHTFERTIGEN, UM DA ZU SEIN.

Da sitzt sie mir gegenüber. Kathi aus der Schweiz. Eine Frau mit gelebten Jahrzehnten in den Knochen. Trennung, Scheidung, Selbstständigkeit, Geldknappheit, Verluste. Ihr Körper kennt das Zittern. Ihre Stimme kennt das Zögern. Ihre Augen kennen den Reflex, sich zurückzunehmen, noch bevor jemand etwas sagen könnte.

Und unter allem ein alter, stiller Satz, der nie überprüft wurde: Ich bin nicht wichtig. Ich verdiene keine Aufmerksamkeit.

Dieser Satz kam nicht aus der Wahrheit. Er kam aus einer Kinderszene. Ein Mädchen, voller Spiel, Theater, Ausdruck, lebendig bis in die Fingerspitzen. Und eine Mutter, die nicht mitging. Kein Applaus. Keine Unterstützung. Kein Ja. In diesem Moment fiel ein Schatten. Und Kathi zog daraus einen Entschluss, der ihr ganzes Leben lenkte: Mein Anliegen stört. Ich bin zu viel.

Und dann – mitten im Gespräch – kippt etwas. Kein Drama. Kein großes Ritual. Nur dieser eine nackte Moment: Ach du Schreck. Das stimmt ja gar nicht.

Nicht philosophisch. Nicht tröstend. Sondern messerscharf. Ein Irrtum. Ein frei erfundener Kindersatz, der nie Wahrheit war.

Was dann geschieht, ist kein Sich-verbessern. Es ist ein Bleiben. Der Körper wird weich. Tränen kommen nicht aus Traurigkeit, sondern aus Erleichterung. Etwas verabschiedet sich lautlos. Ein altes Selbstbild löst sich, ohne Widerstand. Und darunter breitet sich etwas aus, das sie nicht machen musste: Weite. Heimat. Präsenz. Lebensfreude, die lange gefehlt hat.

Wenn du aufhörst, dich von alten Blicken definieren zu lassen. Wenn du erkennst: Du bist nicht hier, um dich zu erklären. Du bist hier, weil Leben sich durch dich zeigen will.

Du bist nicht falsch. Du hast nur einer erfundenen Geschichte geglaubt.

Welcher Satz über dich darf heute als Irrtum sterben?

Wähle. Wahrheit oder Illusion.

 


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9 Kommentare

  1. Lieber Theophilos
    Ich höre diese Geschichte und realisiere ,welch unbewusste Glaubensätze aus uns gemacht haben . Ich wusste bis vor kurzen nicht mal was mit Glaubensätze gemeint war.

    Und jetzt höre ich solche Sätze sofort. Sie erhallen in meinen Ohren: nimm dich nicht so wichtig, sei nicht so vorlaut um dich sofort in deine Schranken zu weisen , oder du bist deines Glückes Schmidt, Hochmut kommt vor den Fall .

    Wir haben solche Sätze oft gesagt,ohne zu überlegen. Dabei haben solche Worte so eine negative Schwingung.
    Halten klein, sind verletzend, sind mit negativer Energie beladen.

    Religion und Politik ist aufgebaut auf „Angstmache „Regeln ,das die Menschen in ein System hält um zu lenken. Das hat man in der C. Zeit erlebt.
    Die Religion hält Menschen fern von Gott und predigt von Schuld, Scham und Sünde.
    Sie lässt uns nicht erinnern wer wir sind und dass wir das Christusbewusstsein in unserem Herzen tragen.

    Wir steckten in einen Nebel voller Unsicherheit und erwachen langsam um der Wahrheit zu begegnen und schauen uns selber an .
    Wir sind gehalten in der vollkommenen Liebe unseres Schöpfers und dürfen somit in unserem Licht stehen.

    1. Danke dir, liebe EVI, für dieses wache, ehrliche Hinschauen.
      Genau darin geschieht Integration: Die alten Sätze werden gehört, nicht bekämpft – und im Licht der Erinnerung verlieren sie ganz von selbst ihre Macht.

    1. Ja – Gefühle, Emotionen und Mitgefühl gehören zur Liebe, aber sie sind nicht die Liebe selbst.
      In der Illusion begegnen sie uns gemischt: Liebe schimmert durch Gefühle hindurch, während Emotionen noch aus Trennung geboren sein können.

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