DER ILLUSIONÄRE HÖHENFLUG

HALLO DU, DER DU GLAUBST, DASS DER HEILIGE GEIST DIR FLÜGEL VERLEIHT, UM ÜBER DEN DRECK DIESER WELT HINWEGZUFLIEGEN.

Glaubst du auch, dass deine Gedanken gen Himmel schweben müssen, um spirituell zu sein? Glaubst du, dass Meditationen, Ayahuasca-Retreats oder hochkarätige spirituelle Praktiken dazu da sind, dich von der Härte des Daseins zu lösen? Schau ungeschönt hin: Dieser Wunsch nach dem großen spirituellen Höhenflug ist oft nichts als die pure, feige Flucht vor der Natürlichkeit und Echtheit des Lebens.

Ich kenne diesen Irrtum zutiefst. Ich dachte selbst lange Zeit, ich müsste mir eine erhabene Dunstglocke erschaffen, und habe das alltägliche, banale Leben arrogant verachtet und in die Ecke geschoben. Ich bin zu einem hochspirituellen Höhenflug durchgestartet und habe dabei völlig die Bodenhaftung verloren. Doch das ist ein hirnverbrannter Irrtum.

Pfingsten bedeutet nicht, dass du aufgepumpt über den Dingen schwebst, um dich von den „niederen“ Gefühlen dieser Welt nicht mehr berühren zu lassen.

Erfüllt sein vom Geist bedeutet, den spirituellen Hochmut zu begraben, man hätte es irgendwie geschafft. Es ist die Freiheit, alles mit deiner nackten Präsenz fließen zu lassen und absolut nichts mehr auszuklammern – keinen Schmerz, keinen Dreck und keine Schwere, die dir unangenehm sind. Erst wenn du aufhörst zu fliegen, bist du wirklich da.

Der Heilige Geist verleiht dir keine Flügel zum Abheben, sondern brennt dich mitten hinein in die raue Realität des Alltags.

In welche spirituelle Dunstglocke flüchtest du dich heute noch, anstatt der Kraft des Geistes zu erlauben, dich ganz im ungemütlichen Hier und Jetzt zu landen?

Spür, wo du gerade das wegdrückst, was in dir lebt.

 


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4 Kommentare

  1. Lieber Theophilos, ich muss mit meinem Kommentar zurück zum 22. Mai. Du schreibst: „Wenn du anfängst, dieses unendliche Geliebtsein in dir zu fühlen, …“ Ich habe hier irgendwie eine Ladehemmung. Rein theoretisch weiß ich, dass Gott die Liebe ist, dass er mich liebt usw. usw. Ich stimme dem auch rein verstandesmäßig zu, aber eben nur so. Wie kommt man zum Fühlen, zu einem tieferen Erfahren, an dem bestimmt auch noch ganz andere Dinge im Umgang mit Menschen usw. hängen? Gottes Segen für deine Arbeit.

    1. Lieber Wolfgang,

      da ist das theoretische, verstandesmäßige Wissen, dem du vollkommen zustimmst – und da ist diese scheinbare Blockade, diese „Ladehemmung“, die dich vor dem eigentlichen, tiefen Fühlen stehenlässt.

      Ich danke dir für deine ehrliche und so wesentliche Frage. Genau an diesem Punkt scheitert das gesamte hochgezüchtete spirituelle System des Egos. Das Ego glaubt nämlich, man müsste das Fühlen jetzt irgendwie machen, erzwingen oder durch eine besondere Technik herbeiführen. Doch so funktioniert es nicht.

      Wie kommt man zum Fühlen? Paradoxerweise, indem du die Ladehemmung selbst erst einmal ganz da sein lässt. Das Fühlen beginnt genau an dem Punkt, an dem du deine Ohnmacht, dein Nicht-Fühlen und dein trockenes Verstandeswissen ungeschönt spürst und aushältst. Der Versuch, das unendliche Geliebtsein unbedingt fühlen zu wollen, ist oft die größte Barriere – weil dahinter wieder das Macher-Ego steckt, das ein bestimmtes spirituelles Hochgefühl jagen will.

      Der Heilige Geist landet dich aber im ungemütlichen Hier und Jetzt. Es geht nicht um ein rosarotes Gefühlsfeuerwerk, sondern um die radikale, demütige Annahme des Moments, so wie er gerade ist – und wenn er sich gerade trocken und verstandesmäßig anfühlt, dann fühl erst einmal genau diese Trockenheit.

      Liebe ist kein Zustand, den du im Außen abholen oder durch Denken produzieren musst. Sie ist die reine Präsenz, die übrig bleibt, wenn du den Kampf um das „richtige“ Fühlen aufgibst und dich schutzlos in dein jetziges So-Sein hineinentlastest. Genau in diesem wehrlosen Stillstehen öffnet sich der Raum, und das theoretische Wissen sinkt ganz von allein ins Herz.

      Gottes Segen auch für dich auf diesem Weg!

  2. Lieber Theophilos
    Der heilige Geist ist gegewärtig mit Christus in uns.
    Er ist mein Helfer. Wenn ich nicht weiter weiss kann ich ihn um Hilfe beten.
    Wenn ich etwas nicht verstehe bitte ich ihm es mir verständlich zu machen.
    Irgendwie wie einen Schutzengel der an meiner Seite steht.
    Er ist mein Führer.

    1. Liebe Evi,

      da ist die vertraute Vorstellung von einem schützenden Helfer an deiner Seite, den du in der Not anrufen kannst – und da ist die gewaltige Realität des Geistes, der dich mitten in der alltäglichen Spannung komplett einnehmen will.

      Es ist ein wunderbarer, tröstlicher Schritt, den Heiligen Geist als Führer und Helfer in den Alltag einzuladen. Doch schau heute, an diesem neuen Tag, noch ein Stück tiefer hin, wo die alte Schablone dich unbemerkt ausbremsen will: Das Ego macht aus dem Geist Gottes gerne einen persönlichen „Schutzengel“, der dafür sorgen soll, dass alles verständlich, sicher und gemütlich bleibt. Es nutzt das Gebet oft als Versicherung, um dem ungemütlichen Nicht-Wissen zu entkommen.

      Der Heilige Geist ist aber kein abgehobener Begleiter, der dich vor den Erschütterungen des Lebens beschützt. Er ist die Bewegung, die dich mitten in die raue Realität hineinwirft. Er will dir nicht bloß Erklärungen liefern, damit dein Verstand sich wieder beruhigt. Seine größte Hilfe ist es oft, deine alten Scheinsicherheiten und Konzepte komplett zu zertrümmern, damit du im nackten Hier und Jetzt landest.

      Gottes Geist steht nicht neben dir – er will dich als sein Gefäß ganz erfüllen. Er befreit dich vom spirituellen Hochmut, alles verstehen zu müssen. Wenn du das nächste Mal nicht weiterweißt, bitte ihn nicht darum, den Nebel sofort wegzumachen. Bitte ihn um die Kraft, schutzlos und demütig in genau diesem Moment des Nicht-Wissens stehenzubleiben. Erst wenn deine Erklärungen versagen, übernimmt das wahre Leben die Führung.

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